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Kriminalstatistik 2011 für den Landkreis und die Stadt Gießen:



Weniger Gewalt- und Diebstahlskriminalität ++

Weiterhin positive Entwicklung der Aufklärungsquote

ID: 579865

(ots) - Landkreis und Stadt Gießen: Die Anzahl der
Straftaten im Landkreis Gießen (inkl. der Stadt Gießen) ist im Jahr
2011 um weniger als ein Prozent (+104 Delikte) auf 15.120 Taten
leicht angestiegen. Während dessen konnte die Aufklärungsquote auf
einen Wert von 63,1% gesteigert werden. Er liegt erheblich über dem
Landesdurchschnitt von 58,5% und übertrifft auch noch das Ergebnis
des Polizeipräsidiums Mittelhessen von 61,0 %. In der Stadt Gießen
verzeichnete die Polizei insgesamt 9.331 Straftaten. Das sind 198
Delikte mehr als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote liegt hier mit
66,2% höher als im Landkreis. "Das ist trotz der geringen Fallzunahme
wiederum eine gute Botschaft für die Sicherheit der Bürgerinnen und
Bürger im Kreis Gießen", sagte Polizeipräsident Manfred Schweizer bei
der Vorstellung der Kriminalstatistik für das Jahr 2011. Er wies
darauf hin, dass der leichte Anstieg der Gesamtkriminalität allein
auf die erheblich größere Zahl der Delikte nach dem Aufenthalts- und
Asylverfahrensgesetz zurückzuführen sei. Wie Schweizer dazu ergänzend
erläuterte, "wurde aufgrund von Kooperationsgesprächen die
Datenübermittlung der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für
Flüchtlinge in Gießen (HEAE) an die Polizei intensiviert. Hierdurch
stellten die Ermittler vermehrt Fälle des unerlaubten Aufenthaltes
fest. Dies führte zu einem deutlich erhöhten Fallaufkommen. Es
beeinträchtige jedoch nicht die objektive Sicherheit der Bürgerinnen
und Bürger, zumal durch diese Delikte niemand in der Bevölkerung
betroffen oder sogar geschädigt werde."

Bei der HEAE in Gießen handelt es sich um eine zentrale
Einrichtung für das Land Hessen. Unabhängig vom Ort der Einreise und
der weiteren Unterbringung der Asylbewerber in anderen Landkreisen
und Kommunen werden alle hier festgestellten ausländerrechtlichen




Verstöße in der Kriminalstatistik für Gießen registriert. Durch deren
stark gestiegene Zahl werde die in fast allen anderen
Deliktsbereichen festzustellende rückläufige Fallzahl überlagert.
"Als besonders erfreulich ist die fallende Zahl der Straftaten bei
der Gewalt- und Diebstahlskriminalität hervorzuheben. Gerade diese
Taten beeinflussen sehr stark das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung",
kommentierte Manfred Schweizer diese Entwicklung.

>Einzelne Deliktsbereiche im Landkreis (inkl. Stadt Gießen)<

Bei der Gewaltkriminalität - hierzu zählen Tötungsdelikte,
Vergewaltigung, Raub sowie gefährliche und schwere Körperverletzung -
ist für das Jahr 2011 ein erfreulicher Rückgang um 30 Taten auf 573
Delikte zu verzeichnen. Im Einzelnen blieben bei den 23
Tötungsdelikten die Fallzahlen fast unverändert (+1). Mit 112 Fällen
fielen die Raubdelikte (-9) und deutlicher die gefährlichen und
schweren Körperverletzungen um 29 auf 409 Fälle. Zeitgleich mit dem
Rückgang konnte eine leichte Steigerung der Aufklärungsquote auf 82%
erzielt werden.

Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sanken um 21
auf 169 Delikte bei einer um 4,8 Prozentpunkte auf 81,7% gestiegenen
Aufklärungsquote.

Bei der Diebstahlskriminalität ist ein sehr deutlicher Rückgang
von fast 400 Taten (-7%) auf 5.266 Delikte festzustellen. Bei einer
Aufklärungsquote von 34,8% konnte etwa jede dritte Tat geklärt
werden. Die Entwicklung der Fallzahlen ist insbesondere auf einen
Fallrückgang beim einfachen Diebstahl mit einem Minus von 352 Taten
auf 3.236 Delikte zurückzuführen, bei denen fast in der Hälfte der
Fälle (43,2%) die Täter ermittelt wurden.

Die Fallzahlen des besonders schweren Diebstahls gingen um 45
Taten auf 2.030 Delikte ebenfalls zurück. Die Aufklärungsquote konnte
auf 21,5% gesteigert werden. Ein umfangreiches Ermittlungsverfahren
wegen mehrerer Dutzend Einbrüche in Gaststätten, Vereinsheime und
einen Getränkemarkt wurde 2011 zum Abschluss gebracht. Das Gericht
verurteilte die Täter zu mehrjährigen Haftstrafen.

Trotz des Gesamtrückgangs der Diebstähle ist ein Anstieg beim
Wohnungseinbruch um 42 auf 420 Taten festzustellen. "Daher werden die
bereits eingeleiteten polizeilichen Aufklärungs- und
Kontrollmaßnahmen - besonders für die Bekämpfung der sogenannten
Tageswohnungseinbrüche - auch in 2012 einen Schwerpunkt bilden und
intensiv fortgesetzt", betont der neue Leiter der Polizeidirektion
Gießen, Polizeidirektor Siegfried Schulz.

Positiv sieht es beim Diebstahl in und aus Kraftfahrzeugen aus.
277 Taten bedeuten einen deutlichen Rückgang. Es sind 77 Delikte
weniger als im Vorjahr. "Ende 2010 / Anfang 2011 konnten zwei Serien
mit über 70 Delikten geklärt und die Täter in Haft genommen werden",
so Schulz weiter. "Damit setzt sich der langjährige Trend des
deutlichen Fallrückgangs in diesem Deliktsbereich fort", ergänzt der
Chef der Regionalen Kriminalinspektion Gießen, Kriminaloberrat Gerd
Krapf, und erläutert: "Wurden vor etwa 10 Jahren noch
durchschnittlich 1.500 Delikte pro Jahr registriert, liegt das
aktuelle Fallaufkommen im Vergleich nur noch bei etwa 20%." Der
schwere Diebstahl von Kraftfahrzeugen ist hingegen mit 51 Delikten
gegenüber dem Vorjahr (38 Taten) angestiegen. Insbesondere der
Diebstahl hochwertiger Fahrzeuge kann organisierten osteuropäischen
Tätergruppierungen zugerechnet werden. Das Polizeipräsidium
Mittelhessen reagierte mit der Einrichtung einer speziellen
Organisationseinheit auf diese Entwicklung. Die Aufklärungsquote in
diesem Deliktsbereich konnte sehr auffällig von 23,7% auf 41,2%
gesteigert werden.

Die Anzahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte ging um 371 Taten
auf 2.888 sehr deutlich zurück. Die Aufklärungsquote konnte um 2,7
Prozentpunkte auf 83,4% gesteigert werden. Auffällig ist der
deutliche Rückgang beim Waren- und Warenkreditbetrug mit einem Minus
von 143 Straftaten. Auch die im Vorjahr auf 398 Taten angestiegenen
Tankbetrugsdelikte sind in 2011 mit 300 Taten wieder deutlich
rückläufig. Das Anzeigeverhalten der Tankstellenbetreiber ist hierbei
ein wesentlicher Einflussfaktor. Bei diesem Delikt konnte mit einer
Aufklärungsquote von 54,3% mehr als jeder zweite Täter ermittelt
werden.

Die Anzahl der Sachbeschädigungen ist um 54 Delikte auf 1.572
Taten angestiegen. Gerade Serien von Sachbeschädigungen an Kfz, unter
anderem im Bereich Grünberg, haben diesen Anstieg mit verursacht. Die
Täter sind sich häufig nicht bewusst, dass ihr purer Vandalismus
neben strafrechtlichen Folgen auch erhebliche Schadensersatzkosten
nach sich ziehen kann.

Mit 422 Taten wurden gegenüber dem Vorjahr 18 Rauschgiftdelikte
weniger registriert. Die Aufklärungsquote liegt mit 95,3% weiter auf
hohem Niveau. Besonders erfolgreich war ein Ermittlungsverfahren
wegen bandenmäßigem Handel mit Drogen. Bei mehreren Aktionen konnten
dabei in 2011 über 14 Kilogramm Amphetamine, ein halbes Kilogramm
Heroin und größere Mengen Bargeld sichergestellt werden. Nach der
hohen Anzahl von 11 Todesfällen im Landkreis Gießen in 2010 sind im
Jahr 2011 drei Menschen Opfer ihrer Rauschgiftsucht geworden.

> Einzelne Deliktsbereiche in der Stadt Gießen <

Bei der Gewaltkriminalität ist ein Rückgang um vier Straftaten auf
349 Delikte zu verzeichnen. Die Vergewaltigungsdelikte stiegen um
neun an. Tötungsdelikte (-3), Raub (-6) sowie gefährliche und schwere
Körperverletzungen (-5) sind hingegen rückläufig. Die
Aufklärungsquote liegt bei 77,7%. Die von der Polizei abschließend
bearbeiteten vorsätzlichen Tötungsdelikte konnten alle aufgeklärt
werden. Besonders umfangreiche und aufwändige Ermittlungen erforderte
die Ermordung eines 65-Jährigen im Anneröder Weg, der Anfang Februar
2011 tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde. Die eingerichtete
Sonderkommission konnte einen 37-jährigen Bekannten des Opfers als
Täter überführen. Im Januar 2012 verurteilte ihn das Landgericht
Gießen wegen Mordes zu lebenslanger Haft.

Der Rückgang der Diebstahlskriminalität im gesamten Landkreis ist
wesentlich durch die Entwicklungen im Stadtgebiet Gießen geprägt. Mit
3.221 Delikten ist ein Rückgang um 417 Taten festzustellen. Die
Aufklärungsquote liegt bei 38,2%. Die Zahl der einfachen Diebstähle
ging um 288 Taten auf 2.178 Delikte (-11,7%) zurück; die
Aufklärungsquote beträgt 44,4%. Hierbei ist vor allem der Rückgang
bei den Ladendiebstählen um 315 Delikte (-29,1%) auffällig. Die
Intensität der in den Geschäften durchgeführten Überwachungsmaßnahmen
beeinflusst die Entwicklung der Fallzahlen in besonderem Maße, da es
sich um ein typisches Kontrolldelikt handelt. Auch entscheiden die
Geschäftsbetreiber grundsätzlich selbst, ob sie erkannte
Ladendiebstähle - insbesondere bei Kindern und Jugendlichen - zur
Anzeige bringen.

Bei den 1.043 Fällen des besonders schweren Diebstahls liegt die
Quote des Rückgangs bei 11%; dies entspricht einem Minus von 129
Taten. Jede vierte dieser Straftaten wurde aufgeklärt. Entgegen der
Entwicklung im Landkreis waren im Stadtgebiet Gießen mit 119
Wohnungseinbrüchen 24 Taten weniger zu verzeichnen als im Vorjahr.

Der Rückgang bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten wird auch
durch die Entwicklungen in der Stadt Gießen bestätigt. Die Fallzahlen
sind um 182 Delikte auf 1.774 Taten gesunken. Die Aufklärungsquote
liegt bei 84,2%.

Bei den Verstößen nach dem Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz
ist durch die Intensivierung der Datenübermittlung mit der Hessischen
Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen ein Anstieg der
Fallzahlen um 853 Delikte gegenüber dem Vorjahr festzustellen. Neben
dem Plus bei den Straftaten wird hierdurch die Aufklärungsquote
positiv beeinflusst, da es sich grundsätzlich um Fälle mit
ermittelten Tätern handelt. Sofern man diese Taten unberücksichtigt
ließe, läge die aktuelle Aufklärungsquote von 66,2% in der Stadt
Gießen immer noch bei sehr guten 62,8% und die Gesamtzahl der
Straftaten bei 8.473, was gegenüber dem Vorjahr einen erneuten
Rückgang um 655 Delikte ausmachen würde.

> Entwicklung bei Tatverdächtigen <

Die Anzahl der Tatverdächtigen im Landkreis Gießen, inkl. der
Stadt Gießen, liegt bei insgesamt 7.615 Personen, im Vorjahr waren es
7147. Erfreulich ist dabei die Entwicklung bei den jungen Menschen:
Der Anteil der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden an der
Gesamtzahl der Tatverdächtigen sank um 3,2 Prozentpunkte auf 21,9%.
Damit wurden insgesamt 126 Tatverdächtige unter 21 Jahren weniger
gezählt als im Vorjahr. Von den registrierten Tatverdächtigen waren
rund drei Viertel männlich (74,8%). Das deutliche Plus bei den
ausländerrechtlichen Delikten hat sich auch erkennbar auf den Anteil
der nichtdeutschen Tatverdächtigen ausgewirkt. Lag dieser im Jahr
2010 bei 25%, so ist er in 2011 auf 34% angestiegen.

Willi Schwarz

Pressesprecher


ots Originaltext: Polizeipräsidium Mittelhessen

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Datum: 24.02.2012 - 13:27 Uhr
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